Tag: Hörerlebnis

Der Mono-Mythos

Posted on Dezember 7th, by Christian Wenger in Analog. 1 Comment

Viele Vinyl-Liebhaber hören (wieder) Mono-Aufnahmen. Einige von ihnen geben monaural aufgenommener Musik sogar den Vorzug. Hier ist mein Versuch, die Fakten und Mythen darzulegen.

Gute Mono-Aufnahmen haben eine gewisse Intensität, die mich persönlich sehr beeindruckt und emotional berührt. Fachleute wie der Schweizer Alexander Bärtschi nennen eine Reihe von Gründen, warum wir bei Mono-Aufnahmen emotional intensiver angesprochen werden als bei Stereo-Aufnahmen.

Dabei hörten wir immer Stereo
Der Mensch ist wie praktisch alle Säuger ein stereophones Wesen. Dank der Position der Ohrmuscheln am Kopf, sind wir in der Lage, räumlich zu hören und in begrenztem Mass sogar dann, wenn nur noch ein Ohr funktioniert. Vergleiche: Der akustische Zweck der Ohrmuschel. Wir sind es also seit langer Zeit gewohnt, stereophon zu hören und wir verdanken dieser Eigenschaft nach allgemeiner Auffassung unter anderem unseren evolutionären Erfolg.

„Mono beanspruche unser Gehör weniger“.
So lautet die Erklärung, wenn es darum geht, monophone Aufnahmen in Bezug auf Ihre Dimensionalität und Ihre subjektiv empfundene Wirkung zu ergründen. Tatsächlich fehlen den monophonen Aufnahmen eine Dimension, diejenige der Breite, nicht aber die Tiefe und die Höhe. Aus Sicht des Hörerlebnisses fehlt also ein Drittel des Raumgefühls, welches durch den wiedergegeben Schall erzeugt werden kann. Ich bezweifle aber, dass unser Gehör bzw. unsere beiden Hörzentren im … Read More »


Kritisches Musikhören ganzheitlich

Posted on Mai 14th, by Christian Wenger in Akustik, Musikhören. No Comments

Kritisches Musikhören ist die analytische Auseinandersetzung mit der Qualität einer Tonaufnahme und/oder der Qualität der Musikwiedergabe. Ist es möglich Klangqualität systematisch zu erfassen?

Musik ist eine emotional wahrgenommene Sprache. Qualität ist also emotionale Qualität. Diese Qualität wird aber (muss aber) beschreibbar sein, damit sie kommunizierbar wird. Die vollständige Beschreibung gelingt dann, wenn unterschiedliche Aspekte dieser Qualität beurteilt werden können. Die Beurteilung enthält dann in der Regel beschreibende und bewertende Elemente. Wir kennen das von Weinproben aber auch aus Audio/Hifi-Fachzeitschriften. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es dabei an Systematik mangelt.

Geeignete Systematik

Tomasz Letowski präsentierte 1989 an der 87th convention der AES (Audio Engineering Society) eine Studie mit dem Thema ‚Sound Quality Assessment“. Der Wissenschaftler beschäftigte sich bereits in den 1980er Jahren mit der Beurteilung von Musik- oder Tonwiedergabe, besonders im Zusammenhang mit Home Cinema Anwendungen. Daraus entstand sein Mural, eine Struktur unterschiedlicher und zusammenhängender Aspekte. Die Struktur erscheint vollständig und das nicht nur aufgrund der kreisflächigen Darstellung. Letowski beabsichtigte damit eine vollständige Beschreibung des Klangbilds.

Das Mural zeigt im inneren Bereich zwei klar differenzierbare Aspekte des Klangbilds: Die Klangfarbe (timbre) und die Räumlichkeit. Diese Grundelemente werden in feinere Aspekte gegliedert. Diese überlappen teilweise die Grundelemente. Die Klarheit des Klangbilds ist korrekt sowohl der … Read More »


Klang-Purismus: Wo sind all die Regler hin?

Posted on April 4th, by Christian Wenger in Akustik, Analog, Klang-Tuning, Lautsprecher & Verstärker. 1 Comment

Als Kinder hatte der Receiver oder Verstärker der elterlichen Hifi-Anlage eine grosse Anziehungskraft. Die zahlreichen Regler mussten erforscht und bedient werden. Als Teenager waren der Bass-Regler und die Loudness-Taste das bevorzugte Ziel um die „Boxen“ zum Krachen zu bringen. Wie geht es aber den Teenagern von heute, wenn sie in vielen Fällen nur noch blanke Frontplatten mit ein paar edlen Tasten vorfinden und nicht einmal mit der Fernbedienung die gewünschten Klangeffekte zu erzeugen sind? Wo sind all die Regler hingekommen?


Konzert oder Hifi – eine musikalische Analyse

Posted on April 3rd, by Christian Wenger in Akustik, Musikhören. No Comments

Haben Sie je einen Musikhörer oder Kritiker getroffen, der den Klang in einem Konzert als analytisch oder musikalisch umschrieben hätte? Vielleicht haben Sie das. Wenn Musikhörer hingegen vor Ihrer eigenen Musikanlage sitzen, dann sprudeln die Adjektive, mit denen man den Höreindruck beschreibt, nur so hervor. Woran liegt das?