Zukunft der Hifi-Fachmedien


Posted on November 30th, by Christian Wenger in Analog, Digital, Lautsprecher & Verstärker. No Comments

Zukunft der Hifi-Fachmedien

Vor geraumer Zeit hatten Audio-Fachzeitschriften das Wort, weil sie die Produkte der Hersteller testeten und bewerteten und dem Musikhörer Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung stellten. Heute ist das nicht mehr so. Das stellt man fest, wenn man analysiert, wie die grossen Marken ihre Haut zu Markte tragen und wie sich die Kunden informieren.

Beispiel
Die Prestige-Marke Bang & Olufsen stellt sich dem Wettbewerb schon lange nicht mehr. Statt sich qualitativ mit anderen Brands im Sinn eines Wettkampfs zu vergleichen, besteigt sie gleich von Anfang an das Podest, ohne sich um den Wettkampf zu scheren. Mit Erfolg muss man feststellen: Viele potenzielle Käufer glauben, was ihnen serviert wird, weil sie den Wettbewerb gar nicht wahrnehmen. Wer laut schreit wird zuerst gehört. – Das moderne Prinzip des Marktschreiers, dem die ganze Aufmerksamkeit gehört.

Andere „Brands“ haben es ihnen gleich getan. Statt mit hoher Qualität und Überzeugung um die gute Position in einem Konkurrenzumfeld zu kämpfen, stellen sie sich als eigene Klasse dar. Die Grundpfeiler dieser selbst provozierten Alleinstellung sind meistens die folgenden:

  1. Hohe Marketing-Budgets
  2. Auffälliges Design
  3. Hohe Preise
  4. Nutzung von Life Style Medien

Man begibt sich einfach auf ein anderes Spielfeld mit vielen neuen Zuschauern.

Fatale Spezialisierung der klassischen Fachmedien
Während sich bedeutende Fachmessen am Beispiel der High End in München bemühen, das Konzept der hohen Qualität einem breiteren Publikum mit Interesse an Life Style und Luxus näher zu bringen, bewegen sich die traditionellen und konservativen Fachzeitschriften durchs Band auf den alten, ausgetretenen Pfaden. So gelingt es ihnen nicht, ein neues Publikum anzusprechen und damit sinkt ihre Bedeutung aus Sicht der Hersteller. Zudem haben sie Konkurrenz durch die wesentlich aktuelleren und Suchmaschinen-gestützten Online Medien und durch Anwender-Foren im Internet. Da hilft auch das ergänzende elektronische Format für denselben Inhalt wenig.

Viele Hersteller hochwertiger Hifi-Geräte haben aber keine Wahl. Die Marketingbudgets sind sehr klein und der Testbericht ist neben dem bescheidenen Messeauftritt und der spärlichen Präsenz bei Fachhändlern die einzige Möglichkeit sich ins richtige Licht zu stellen. Die grossen Hersteller haben längst andere Entscheidungen getroffen und nutzen spezialisierte Medien nur noch ergänzend.

Online Fachmedien sind beliebt
Das Online Fachmedium ist zwar ebenfalls spezialisiert, erhält die interessierten Leser aber vorwiegend über die Suche im Internet. Diese Art von Informationsbeschaffung hat Konjunktur weil sie praktisch, schnell und kostenlos ist. Online Fachmedien stehen auch den nicht spezialisierten Interessenten zur Verfügung. Sie werden via Google etc. dem gesuchten Inhalt zielsicher zugeführt. Das Szenario sieht wie folgt aus:

Ein Interessierter findet in einem Lifestyle Magazin einen rudimentären Beitrag über ein Hifi-Gerät oder System und sucht genauere Informationen auf einer Suchmaschine im Internet. Das führt ihn zu einem Testbericht z.B. in einem Online-Magazin. In kurzer Zeit weiss er über das Produkt Bescheid und findet zudem auch noch Vergleiche zu anderen Optionen. Der Interessent hat sich in kürzester Zeit mit Fachwissen eingedeckt.

Ich vertrete die Meinung dass Online Fachmedien das Potenzial dazu haben, eine Brücke zu bilden, die vom allgemeinen Interesse zum speziellen, vertieften Interesse führt. Sie unterstützen den Prozess der Meinungsbildung, weil sie von verschiedenen Seiten her rund um die Uhr zugänglich sind.





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