Warum tut man sich das an? – aktualisiert –


Posted on November 20th, by Christian Wenger in Digital, Musikhören. 1 Comment

Warum tut man sich das an? – aktualisiert –

Devialet getraut sich einiges mit hochwertigen Verstärkern und einem seltsamen Partylautsprecher, der dem Cyborg einer Meeresschnecke gleicht. Wie man mit „Phantom“ und „Heizplatte“ den Markterfolg erzwingen will.

Was unternehmen, wenn man viel Geld und wenig zu tun hat? Man gründet ein High End HiFi-Unternehmen. Ich gebe zu, dass ist sarkastisch aber eben auch manchmal wahr. Bei Devialet gibt es einige Anzeichen, dass es zutrifft. Da man das Geld hat, geht man gleich in die Vollen und tut einiges richtig. Die Verstärker sind innovativ, lassen sich mit einem on-line Konfigurator auf die Bedürfnisse anpassen. Man kann sogar die Anpassung des Tonabnehmers (Vinyl) konfigurieren. Firmware-Updates stehen auch zur Verfügung und mit Speaker Active Management kann man die Verstärker auf Passivlautsprecher vieler Hersteller ausrichten. Gute Ideen.

Sie klingen auch gut, so bestätigen es zahlreiche Tests in Fachzeitschriften und teuer sind die Geräte ebenfalls. Es gelang immerhin Kunden und Respekt zu gewinnen. Die Andersartigkeit der Devialet-Verstärker ist bei genauer Betrachtung allerdings nicht eindeutig vorhanden. Das Verstärkerprinzip ist patentiert aber irrelevant für die, die es nicht interessiert oder die, die es nicht verstehen. Die Konfiguration ist auch nicht überall erwünscht. Die Wärmeentwicklung gleicht der von Heizplatten. Man kann die Geräte an die Wand hängen, doch das gab es auch schon, zu einer Zeit als es noch neu war. Design und LifeStyle-Value sind grossartig aber eben auch nicht so neu.

Dann kam PHANTOM. Eine futuristisch Meerschnecken-ähnliche Konstruktion aus Plastik. Ein Ghettoblaster für Gutbetuchte, wie manche abfällig äussern. Für mich ist es der Versuch, Party-Modus und audiophiles Musikhören zu vereinbaren. Ist das vereinbar? Gewiss steckt da enorm viel Leistung drin fürs Geld und dank DSP macht das Ding ordentlich strukturierten Lärm mit chirurgischer Analytik. Für Stereo brauchts 2 davon und auf den Stativen? Na ja. – Geschmacksache.

Das Marketing von Devialet nervt: Superlative für Leute, die alles glauben was sie lesen. Es gibt nichts besseres und niemand errötet dabei. 88 Patente und 50 Auszeichnungen insgesamt. – Wen kümmerts. Nachdem man zahlreiche Händler gewonnen hat, kann der Kunde nun auch gleich direkt on-line beim Hersteller bestellen. „Die tun wenigstens was“, sagte mir einer dieser Händler, aber so richtig überzeugend kam das nicht herüber. PHANTOM kann man für 48 Tage unverbindlich testen. Wenn man kauft wird einem auch gleich TIDAL kostenlos für ein paar Monate in die Einkaufstasche gelegt. „Kauft doch endlich!“

Ich hätte es anders gemacht. Eine bescheidenere Ansprache und ein kluges Design, weniger offensiv und einfach schöner. PHANTOM hätte ich als eigene Marke lanciert, ohne direkten Bezug zu Devialet, respektvoll gegenüber den Besitzern der schönen, teuren Verstärker. Die sind, wie man hört, öfters angepisst und können sich nicht mehr so recht über Devialet freuen, wenn ihnen Phantom begegnet. BMW macht schliesslich auch nicht plötzlich ein High Tech Skateboard und verkauft es über die Vertragshändler. Die wissen warum.

 

Ergänzung:

Devialet offeriert nun als Weihnachtsaktion beim Kauf von zwei Phantoms gratis einen Pro Ject Plattenspieler im Wert von über 400 EUR.

Devialet Phantom sollen nun in den USA auch in Apple Stores erhältlich sein. – Passt.





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