Pono in Verzug?


Posted on August 16th, by Christian Wenger in Digital, Musikhören. No Comments

Pono in Verzug?

Die bemerkenswerte Ponomusic-Initiative von Altrocker Neil Young scheint ein wenig an Tempo verloren zu haben. Einige Hintergründe zu einem neuen „Ökosystem“.

Die reale Umsetzung von Pono scheint sich zu verzögern. Wer bis Anfang Dezember einen Pono-Musicplayer vorbestellt, muss heute 399$ einzahlen und bekommt dann auf Weihnachten eine Besitzurkunde mit Autogramm von Neil Young und irgendwann im 1. Quartal 2015 das Gerät. Dann kann es losgehen mit den Downloads in sagenhafter Hi-Res Klangqualität. Wir sind da alle schon etwas abgebrüht, verwenden wir hochauflösende Musikwiedergabe doch schon heute und haben wir uns doch auch schon ein (Klang) Bild davon gemacht.

Erfolgreiche Kickstarter-Kampagne
Das Crowdfunding von Pono scheint dem Vernehmen nach sehr erfolgreich zu sein. Hinter Pono stehen Musiker, die sich infolge schwindender Gewinnbeteiligungen und dem Trend hin zu Musiksteamingdiensten mit dieser Finanzierungsmethode immer besser auskennen. Aber woher kommt das Geld? Wohl kaum aus den Reihen der jungen Generation, eher aus dem Dunstkreis aufgeschlossener Musikhörer, die sich mit Neil Young als Teil ihrer Vergangenheit noch identifizieren können.

Was ist neu an Pono?
Eigentlich nichts. Der Musicplayer vermag hochauflösende Musik wiederzugeben und ist allenfalls kostengünstiger als die heute käuflichen Geräte. Download-Anbieter wie HD-Tracks gibt es auch schon länger und da hat Pono auch keine unbekannten Pfeile im Köcher. Neu ist auch nicht die Idee, eine Community zu bilden. Das hat Beats by DRE schon geschafft und wurde damit zum Marktführer bei Kopfhörern, in kürzester Zeit. Pono kopiert dieses Vorgehen nun und stellt die Musikqualität oder Musikwidergabe-Qualität an die vorderste Stelle. Es sei ihnen gedankt, denn Musik verdient es in bester Qualität gehört zu werden. Wie machen sie das?

Hi-Res Ökosystem
Pono versucht eine Art Ökosystem aufzubauen, welches aus Musikern, Produzenten, Musikhörern und Konsumenten besteht und in dem Musik so klingt und genossen werden will, wie das die Musiker herbeisehnen, denn es ist ja ihre Musik, die wir hören. Es mutet schon etwas idealistisch an, wenn man sich die vielen Testemonials auf der Pono-Webseite anhört und zwar aus folgenden Gründen:

  • Die Musiker schwärmen von der Qualität von Pono, obwohl sie diese Qualität aus dem Tonstudio ja bestens kennen dürften.
  • Die Musikproduzenten schwärmen ebenfalls, obwohl viele von Ihnen alles unternehmen, dass es nicht so gut klingt, wie es sollte. Stichworte: Dynamikkompression, Loudness-Wars.
  • Die Aufnahmequalität und ihre relativ hohe Bedeutung im Vergleich zur digitalen Auflösung wird totgeschwiegen.

Muss man naiv sein?
Leider ja, denn man weiss, dass sich die Massen nicht mit komplexen und teilweise widersprüchlichen Sachverhalten überzeugen lassen. Darum ist die Message von Pono sehr einfach:

  • Hi-Res klingt immer besser als CD und MP3…
  • Musik aus dem Tonstudio klingt immer gut…
  • Für die Musiker ist Pono eine völlig neue Erfahrung…

Das ist bei Lichte betrachtet etwa derselbe Blödsinn, wie die Behauptung, das „Beats by DRE“ die besten Kopfhörer wären. Trotzdem, der Zweck heiligt die Mittel und alles ist mittlerweile recht um den Konsumenten die hohe Klangqualität zu suggerieren. Es ist nur zu hoffen, dass wenn das Experiment gelingt, die Produzenten wieder zu ursprünglicher Dynamik und sorgfältigen Aufnahmen zurück finden.

Bildbeispiele der Pono-Kampagne (ich mag den Taucher):

underwater_pono_gfxPono_Chart_Revised

 

 

Daumen drücken!
Ich drücke Ponomusic die Daumen auf das es gelinge. Ich werde mir ein Gerät bestellen, dann habe ich im „worst case“ ein Autogramm von Neil Young und im „best case“ war ich von Anfang an Teil einer Erfolgsgeschichte. Die Finanzierung des Musicplayers geschieht über den Verzicht auf Musikstreaming-Abos.

Pono und Punkt!





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