Die Zukunft der CD


Posted on April 6th, by Christian Wenger in Digital, Musikhören. 1 Comment

Die Zukunft der CD

Seit mehr als 30 Jahren ist die CD weltweit der beliebteste Tonträger. Eigentlich ist die CD kein Tonträger, sondern ein Datenträger. Genau das wird ihr nun zum Verhängnis. Die Geschichte eines Anachronismus.

Die CD kam gut an
1982 sagte Herbert von Karajan über die CD: „Alles vor ihr war Gaslicht“. Obgleich es sich um eine Aussage mit gezielter Werbewirkung handelte, dachten damals viele Musikhörer so. Die digitale Aufnahmetechnik war damals bereits einigermassen etabliert, einen digitalen „Tonträger“ gab es aber noch nicht. Die Vinylschallplatte hatte ein verstaubtes Image und Digitalaufnahmen auf Schallplatte waren irgendwie paradox.

Dank dem Redbook-Standard gab es weltweit nur eine einheitliche CD. Das Format konnte sich durchsetzen, weil es von allen Geräte-Anbietern getragen wurde. In den ersten 10 Jahren überholte die CD punkto Verkaufszahlen die Schallplatte, obwohl sie deutlich teurer war. Die Konsumenten schätzten die einfache und praktische Bedienung. Ende der 1990er Jahre war die CD der meist verkaufte Tonträger und hatte als Datenträger (CD-Rom) auch den PC-Markt erobert. Dank beschreibbarer CD-Roms wurde das direkte Kopieren der CD’s ermöglicht, wodurch sich die CD-Verkäufe verlangsamten. Die Musikindustrie war im Alarmzustand und führte den Kopierschutz ein.

Der Kopierschutz beeinträchtigte die Klangqualität und das Abspielen kopiergeschützter CDs war nicht auf allen CD-Geräten möglich. Problematisch waren v.a. Geräte mit eingebauten CD-Rom-Laufwerken. Die Hersteller nahmen CDs zwar zurück, konnten aber keinen Ersatz anbieten. Zudem konnte der Kopierschutz mit geeigneter Software umgangen werden. Der Kopierschutz verschwand in Folge sang- und klanglos.

Musikindustrie im Tiefschlaf
Die Musikindustrie hielt am physischen Tonträger fest. Da die CD keinen funktionierenden Kopierschutz hatte, entwickelte man neue Tonträger, die DVD-Audio und die SACD. Diese Tonträger entsprachen nicht mehr dem Redbook-Standard und konnten Musik mit höherer Wortlänge (24Bit) und höheren Samplingraten wiedergeben, in höhere Qualität, gleich oder ähnlich dem Studio-Master. Die SACD enthielt als Hybrid auch einen CD-Layer und konnte sich gegenüber der DVD-Audio durchsetzen. Letztere verschwand vom Markt.

Gleichzeitig wurde Musik im konsumtauglichen MP3-Format zunehmend als Download angeboten, was physische Tonträger generell in Frage stellte. Die Perfektionierung des neuen Geschäftsmodells der Musikdistribution gelang Apple mit dem iTunes Store als Kaufplattform, iTunes als Mac- und PC-fähige Mediathek und mobile Geräte wie iPod usw. Die konservative Musikindustrie hatte mit dem physischen Tonträger CD und SACD vergleichsweise schlechte Karten, vor allem in Bezug auf den erzielbaren Verkaufspreis aufgrund hoher Kosten.

Die zunehmende Sensibilisierung der Konsumenten auf Nachhaltigkeit und ökologische Verträglichkeit spielte den Musik-Downloads in die Hände. Musikdaten brauchen nicht mehr als physischer Datenträger hergestellt, verpackt und versandt zu werden. Downloads sind nachhaltiger und billiger. Sie schonen wichtige Ressourcen wie Energie und Rohmaterialien. Als Folge befinden sich heute die CD-Verkäufe trotz massiver Preisreduktionen und Sonderangeboten im freien Fall, während die Downloads enorm an Marktanteil gewinnen. – Auch im Bereich der hohen Qualität.

Was bleibt?
Die Haptik und der Informationsgehalt der CD mit Booklet wird zwar von vielen Musikhörern immer noch sehr geschätzt. Es ist aber vorherzusehen, dass die Anbieter dieser Tonträger das Geschäft mit den CDs eher früher als später nicht mehr gewinnbringend betreiben können. Mittlerweile bieten alle grossen Musikproduzenten und andere Anbieter die Musik ebenfalls als Download an und nur populäre Titel werden überhaupt noch als CD angeboten. Die sogenannten „Back-Kataloge“ mit geringen Verkaufszahlen gibt es oft nur noch als Download zu kaufen. Der Konsument wird das wohl oder übel hinnehmen müssen, ausser man ist bereit auf breiter Front wieder mehr zu bezahlen. Die Konsumenten, die dazu bereit wären, machen aber nur einen kleinen Teil des Markts aus.

Veralterter Datenträger
Die CD ist ein veralteter Datenträger wie einst die Floppy-Disc, die über Nacht vom Markt verschwand. Musik ist in digitaler Form eine grosse Datenmenge, die einfach und überall gespeichert, abgespielt und gesichert werden kann. Nur die Vinyl-Schallplatte ist noch ein echter Tonträger, dessen Musikinformation in analoger Form nicht kopiert werden kann. Sie erlebt heute aus verschiedenen Gründen (Klangpotenzial, Haptik, Retro-Tendenzen) eine Renaissance, wenn auch bei vergleichsweise tiefen Verkaufszahlen trotz hohen Wachstumsraten. Sie muss hergestellt und distribuiert werden. Die Käufer sind bereit für eine gute Pressung gut und gerne 40.- zu bezahlen. Auch populäre Musikgruppen und Interpreten haben diesen Tonträger neu entdeckt.

Die CD hat die Welt erobert und verlässt sie wieder, schneller als gedacht, denn sie wurde von der Zeit überholt, weil sie nur ein Datenträger ist.

(Bild: streikraeftebasis.de)





Ein Gedanke zu “Die Zukunft der CD

  1. Selten so einen Schwachsinn gelesen die Audio CD lebt und wird im Gegensatz zu MP3 überleben da MP3 aus technischen Gründen schon vpon Grund auf schlechter ist. Außerdem wollen die Leute etwas in der Hand haben und 80% aller Audio Verkäufe werden nur mit CDs gemacht nix MP3 das ist Schrott genauso wie die Streaming Dienste die nur minderwertige Qualität liefern. MP3 ist Tod es gibt schon lange besseres und die CD hat nicht ausgedient das ist Unsinn!

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