Category: Akustik

Wohnräume akustisch optimal ausrichten

Posted on Juli 17th, by Christian Wenger in Akustik. No Comments

Ein interessanter Gastebeitrag von Felix Busch (felix.busch5@gmx.at). Titelbild: Absorbierende Schrankfronten.

Akustische Herausforderungen sind vorwiegend bei der Planung und Optimierung von Tonstudios, Heimkinoanlagen oder Konzertsälen zu beachten. Doch durch die moderne Bauweise hat die Raumakustik im Wohnbereich einen starken Bedeutungszuwachs erhalten: Dort sind heute aufgrund der Verwendung von Glas, Beton und Stein sehr komplexe Systeme erforderlich, etwa Akustikpaneele und Deckenelemente. Sie verbessern die Akustik im Raum und sorgen für eine erhebliche Verbesserung des eigenen Wohlbefindens, der Gesundheit und des sozialen Zusammenlebens.

In früheren Zeiten waren schwere Vorhänge, Teppiche und große Polstermöbel im Wohnraum vorherrschend. Dies hat sich in den letzten Jahrzehnten stark geändert. Vor allem in den letzten zehn Jahren sind viele Architekten auf neue Ideen gekommen und mit diesen zu neuen architektonischen Ufern vorgestoßen. Diese lassen die Wohnungen ihrer Klienten mit großen Glasflächen, Sichtbeton und Fliesenböden glänzen. Dies ist vom Raumgefühl nicht zuletzt aufgrund der dadurch gewonnen Raumhöhe und vom optischen Standpunkt durchwegs zu bewundern.

Es hat aber auch so manche negative Auswirkungen auf die Akustik im Raum. Das Grundproblem ist dabei, dass der Lärmpegel schwierig zu kontrollieren ist. Jede Geräuschquelle, sei sie auch noch so klein, ist weithin hörbar. Darunter fallen Kindergeschrei, leise Schritte oder Besteck, das in die Schubladen hineingelegt wird. … Read More »


Warum ich Kopfhörer nicht mag.

Posted on Mai 9th, by Christian Wenger in Akustik, Analog, Musikhören. 4 comments

Kopfhörer sind auf immer mehr Köpfen anzutreffen und werden sogar ausschliesslich und auch zu Hause anstelle von Lautsprechern verwendet. Ich mag sie persönlich aus verschiedenen Gründen nicht:

Das Hauptproblem ist die „Im Kopf Lokalisation“ des Schalleregnisses: Der Effekt bewirkt das Fehlen einer Entfernungs-Information und erzeugt eine räumliche Wahrnehmung, die sich in unsererem Kopf und über unserem Kopf abspielt. Damit ist eine Wahrnehmung der Musik wie im Original nicht möglich. Das äussert sich im Fehlen einer räumlich fassbaren Klangbühne und damit einer eingeschränkten Ortbarkeit der Instrumente und Stimmen.

Im Konzertsaal oder mit Lautsprechern wirkt die Musik zudem nicht nur auf unsere Gehöre ein, sondern auch auf den Körper. Tiefe Frequenzen sind nicht nur hörbar sondern auch fühlbar und erzeugen ein Gefühl der Wirklichkeit, wenn sie über gute Lautsprecher richtig wiedergegeben werden. Die meisten Kopfhörer übertragen sehr tiefe Frequenzen sehr linear bis etwa 20Hz aber es fühlt sich trotzdem nicht so eindrücklich an, wie mit wirklich guten Lautsprechern. Wir hören nicht nur mit den Ohren, Kopfhörer wirken aber nur auf die Ohren.

Viele Kopfhörer sind so konstruiert, dass sie die Hörfunktion der Ohrmuschel nicht richtig einbeziehen. Vor allem In-Ear Ohrhörer wirken direkt in den Gehörgang und On-Ear-Kopfhörer beinträchtigen die Hörwirkung der Helix und der Anti-Helix. … Read More »


Der Frauen-Akzeptanzfaktor

Posted on Februar 13th, by Christian Wenger in Akustik, Lautsprecher & Verstärker, Musikhören. No Comments

Der Frauen-Akzeptanzfaktor oder „wife acceptance factor“, kurz WAF, ist seit vielen Jahren das Damokles-Schwert über dem Kopf des audiophilen „Musik-Mannes“. Ist der WAF ein epochaler Irrtum oder Realität? Dem WAF auf der Spur.

HiFi ist seit je her ein Männer-Hobby. Männer sind von Technik eher begeistert als Frauen. Dem Mann geht es nicht immer nur um die Musik, sondern auch um die Gerätschaften und um die Beschäftigung damit. Frauen sind tendenziell Resultat-bezogener. Es ist ihnen weniger wichtig, wie die gute Musikwiedergabe zustande kommt. Musikliebhaber sind Mann und Frau gleichermassen. Sind sich die Partner einig, dass sie Musik auf hohem Niveau zusammen geniessen wollen oder auch jeder für sich, dann ist das die halbe Miete. – Wenn dann einmal beide begriffen haben, dass sehr gute Lautsprecher nicht unsichtbar sind und dass beide in der Lage sein müssen, die Geräte zu bedienen.

Kriterien des WAF
Der Akzeptanzfaktor bei Frauen bezieht sich auf die folgenden Kriterien:

Grösse und Design der Lautsprecher im Konflikt mit der Klangqualität und der Ästhetik des Wohnraums
Einfachheit der Bedienung/Steuerung im Konflikt mit der Anzahl der Komponenten und deren Klanqualität
Umfang und Sichtbarkeit der Verkabelung im Konflikt mit der Ästhetik des Wohnraums
Platzierung der Lautsprecher im Spannungsfeld Akustik/Ästhetik

Im Wohnzimmer oder Musikzimmer
Der WAF ist deutlich grösser, wenn … Read More »


Original und Ideal

Posted on Januar 23rd, by Christian Wenger in Akustik, Musikhören. No Comments

Jeder ambitionierte Musikhörer strebt nach einem Musikerlebnis, das sich vom Konzert, dem Original, so wenig wie möglich unterscheidet. Das muss es aber, damit es unserem Ideal entspricht. Das erscheint paradox.

Das Original lässt sich nicht reproduzieren, weil es sich in wesentlichen Dingen von der Reproduktion unterscheidet. Zwischen dem Original und dem reproduzierten Resultat stehen Mikrophone, Aufnahmetechnik, Produzenten und eine Hi-Fi-Anlage in einem ganz anderen Hörraum als dem Konzertsaal.

Bei der Aufnahme ist man nahe am Original…
…argumentieren die gar selbstbewussten Tonleute immerzu. Es stimmt nur in wenigen Fällen, nämlich nur dort, wo der Tontechniker wirklich am Bühnenrand steht und das Original wirklich hört. Die Tonleute, die im Tonstudio abmischen und die Masteringleute im Masteringstudio sind vom Original etwa so weit entfernt wie der Musikhörer. Ihre Arbeit orientiert sich nach Ihrer Idealvorstellung: Es klingt bei Ihnen nach getaner Arbeit so, wie sie es sich vorstellen, nicht wie es wirklich klang.

Die Studio-Aufnahme ist nicht real…
…weil sich die Musiker im Studio nur über Kopfhörer hören und oft nicht einmal gleichzeitig anwesend sind. Die Abmischung wird künstlich erzeugt und macht aus einem Aufnahmeraum eine Kirche oder einen Club, also ein Raum, der bei den Aufnahmen nicht exisitierte. Die Möglichkeiten sind riesig und die Aufnahmeleute folgen den Vorgaben … Read More »


Fortsetzung

Posted on Juni 11th, by Christian Wenger in Akustik, Musikhören. No Comments

Von Hans-Ulrich Rahe, Teil 3

Stereo per se ist – bezogen auf den Erstimpuls oder die erste Wellenfront – etwa so, wie wenn man ein Mal zwei Steine in einen stillen Teich wirft, und zwar zeitgleich und derart, daß sie mit einem gewissen Abstand nebeneinander auf dem Wasser auftreffen. Je nach ihrem Abstand werden die von den beiden Zentren ausgehenden konzentrischen Wellenringe im Wasser nach kurzer Zeit in Kontakt kommen, miteinander interferieren und solange bestehen bleiben, bis sie, nach und nach, vollständig verebbben.

Auf Stereo übertragen haben wir, statt der zwei ursprünglichen, hier komplexen Schall – Einzelsignale ( abgestrahlt etwa von einem linken und rechten Breitbandchassis ), ein an den Ohren ankommendes, daraus resultierendes Mischsignal, das aus Interferenzen gebildet wird, die Verzerrungen implizieren !

Die Phantomschallquelle, die vom Hörer vor, bzw. zwischen den beiden Lautsprecher geortet wird, wird durch Summenlokalisation erzeugt. Wir haben bei Stereo – Betrieb – und bei all den anderen bekannten Verfahren – kein wirklich dreidimensionales Schallereignis vorliegen. Was auch deshalb so ist, weil die absolute Phase eines Schallereignisses mit den herkömmlichen Komponenten nicht aufgenommen, nicht gespeichert und nicht wiedergegeben werden kann !

Wenn man allerdings – wie ich – weiß, wie das Gehirn funktioniert, auf welche Weise es die Sinnesreize “ verarbeitet “ und wie es diese innerhalb … Read More »


Ein völlig neuartiges Equipment

Posted on April 30th, by Christian Wenger in Akustik, Lautsprecher & Verstärker, Musikhören. No Comments

von Hans-Ulrich Rahe, Teil 2.

Mein Aufsatz “ Die totale Unfähigkeit des menschlichen Bewußtseins, die akustische Wirklichkeit wahrzunehmen.“ wird von mir lediglich als eine Einführung in und als ein Hinweis auf eine völlig neue Art von Equipment verstanden, das dem Gehirn eine vollkommene akustische  Information in Gestalt eines Triggers liefert, der eine ihm adäquate Reaktion des Gedächtnisses evoziert, die als komplexes Schallereignis (hinsichtlich Klang, Intensität, wirklicher, weil dreidimensionaler, Räumlichkeit, Klangfarben usw.), also als ein natürliches Schallereignis empfunden wird. Vergleichbar ist diese akustische Situation mit der optischen Holographie, wo etwa eine im Raum dargestellte Vase erst bei dem Versuch, sie anzufassen, als Laserlicht – Konstruktion entlarvt wird.

Die bis jetzt bekannte, unzählige Male praktizierte Situation, die bei dem Vorgang vorliegt, der als Musikhören über eine Anlage empfunden wird, besteht aus geometrisch großen Komponenten wie Plattenspieler, CD – Player, Verstärker – Elektronik, Lautsprechern usw., vor die sich ein Mensch setzt, um sich das, was vermeintlich aus den Lautsprechern tönt, und das sein Gehirn als Musik übersetzt, zu empfinden. Es handelt sich dabei um eine explizit gewünschte Situation, die möglichst mit Genuß, Entspannung, Inspiration usw. einhergehen soll.

Wie meinem Aufsatz “ Die totale Unfähigkeit des menschlichen Bewußtseins, die akustische Wirklichkeit wahrzunehmen“ bereits zu entnehmen ist, meinen viele Menschen, … Read More »


Die totale Unfähigkeit des menschlichen Bewusstseins, die akustische Wirklichkeit wahrzunehmen.

Posted on April 26th, by Christian Wenger in Akustik, Musikhören. 3 comments

Ein Gastbeitrag von Hans-Ulrich Rahe.

Ein Schallereignis ist eine Herausforderung, die aus Schallwellen (Luftdruckschwankungen) besteht, die von den Ohren empfangen werden. Im Gehirn ruft dieser akustische Sinnesreiz unmittelbar eine Reaktion des verborgenen (unbewussten) und offenen (bewussten) Wissens aus dem Gedächtnis hervor. Diese Reaktion des Gedächtnisses – hier von einem akustischen Reiz evoziert – ist das menschliche Bewusstsein, das aus dem Denken und den Gefühlen besteht, das sich selbst – fälschlicherweise als Hörer empfindet, der zudem eine Bewertung abgibt.

Dieses Bewusstsein geht davon aus, dass es „in der Welt da draussen“ tatsächlich vorhandene Schallereignisse gibt, die es als solche hört. Es begreift nicht, dass es stets bloss sich selbst wahrnimmt, als die Reaktion seines Gedächtnisinhalts auf einen akustischen Sinnesreiz, der von einer, dem menschlichen Bewusstsein unerkennbaren Herausforderung ausgelöst wird. Das, was das Bewusstsein zu hören meint, ist also in Wirklichkeit die Reaktion seines eigenen Inhalts, das aus Jahrtausende alten Erfahrungen, also aus uraltem, wie auch aus aktuellem Wissen besteht.

Der Funktionsmechanismus des menschlichen Bewusstseins ist zwar bei allen Menschen identisch, in seinen Färbungen ist es aber wegen der von Mensch zu Mensch durchaus differierenden Bewusstseinsinhalte, durchaus schwankend und nicht statisch.

Diese Tatsache, dass nicht Schallereignisse per se gehört werden, sondern nur die Reaktion des Gedächtnisses … Read More »


Die Musik kommt von vorne.

Posted on März 11th, by Christian Wenger in Akustik, Musikhören. No Comments

„Die Musik kommt von vorne“ ist eine bekannte Metapher: Ich stehe vor euch, ich bin der Chef! Wenn es um die echte Musik geht, dann stimmt es erst recht: Die Musiker sind immer vorne und deshalb hat sich Stereo immer wieder durchgesetzt.

In den 1990er Jahren wurden wir beinahe Opfer eines Irrtums: Die Home-Cinema-Idee brachte den Surround-Sound, der beim Film seine Berechtigung hat, da Geräusche und Effekte aus allen Richtungen auf den Kinobesucher einwirken. Bei Konzerten kommt die Musik nun immer noch von vorne, deshalb konnte sich Surround in der Musikwiedergabe nie richtig durchsetzen.

Warum kommt Musik von vorne?
Der Schall breitet sich nur relativ langsam aus. Bereits bei grösseren Orchestern beträgt die maximale Distanz zwischen den Musikern gegen 20 Meter. Der eine Musiker hört den andern also 61 Millisekunden später als sich selbst. Das erschwert das Zusammenspiel und erfordert den Dirigenten, der die Einsätze jedem Musiker gleichzeitig vorgibt. Gegenüber dem Konzerthörer ist jeder Musiker etwa gleich weit entfernt, wenn er nicht direkt vor der Bühne sitzt. Deshalb sitzen die Musiker vorne und relativ nahe zusammen. – sonst könnten sie nicht zeitrichtig zusammenspielen und die Konzertbesucher hätten eine zeitunrichtige Darbietung.

Bei elektrisch verstärkten Konzerten verändert sich … Read More »


Der Bayreuth-Effekt

Posted on November 15th, by Christian Wenger in Akustik, Musikhören. No Comments

Ich bin in einem unbekannten Fachaufsatz auf Erklärungen gestossen, warum klassische Musik im Konzertsaal schöner und auch anders klingt als über die Musikanlage wiedergegeben. Die Erkenntnisse beginnen in Bayreuth.

Das Festspielhaus in Bayreuth ist nicht nur dank Richard Wagner berühmt, sondern auch dank seiner unübertroffenen Akustik. Es soll dort am schönsten klingen. Das erstaunt, denn das Orchester spielt in einem Orchestergraben, der sich zudem zum grossen Teil unter einem Dach befindet. Der Konzertbesucher hat den freien Blick auf die Bühne und sieht die Musiker nicht. Daher hört er aber keinen Direktschall vom Orchester, sondern nur indirekten Schall, der über Wände und Decke reflektiert an das Ohr gelangt. Warum klingt es trotz dieser „Behinderung“ der Schallausbreitung dort so gut?

Mikrophone und Konzerthörer
Wird eine Aufführung aufgenommen, dann werden die Mikrophone natürlich so aufgestellt, dass sie das Orchester ins Visier nehmen. Der Konzerthörer sitzt im Vergleich viel weiter vom Orchester entfernt. Die Aufnahme klingt dann deutlich brillanter und auch agressiver und sie enthält viel weniger Rauminformationen, als durch den Konzerthörer wahrgenommen.

Der Konzerthörer hört v.a. den indirekten Schall, der durch die Distanz im Hochtonbereich deutlich gedämpft ist. Dazu kommen zeitlich verzögert Rauminformationen und Nachhall, die bei der Aufnahme so nicht exakt zu hören sind.

Der moderne Instrumentenklang
Dazu … Read More »


Bad Quality Big Business

Posted on Oktober 28th, by Christian Wenger in Akustik, Lautsprecher & Verstärker, Musikhören. No Comments

Es macht den Anschein, als dass schlechtere Musikqualität zu besseren Geschäften führt. Dafür nenne ich 2 Personen als Beispiel: Amar Bose und Steve Jobs. Beide haben auch Gutes bewirkt. Eine kritische Würdigung.

Im Geschäft mit Musikwiedergabe machen wenige Hersteller sehr viel Geld und viele Hersteller sehr wenig. Ausgerechnet die, die vergleichsweise wenig verdienen, bieten die bessere Qualität an oder sogar das maximal Mögliche. Qualität ist ein relativer Begriff. Die Gutverdiener unter den Herstellern haben Life-Style und Convenience über die Qualität der Musikwiedergabe gestellt. Vielleicht kann man Life Style-Werte auch als Qualität interpretieren, denn es findet Anklang.

Amar Bose
Bose ist einer der erfolgreichsten Hersteller von Life Stile Musikwiedergabe. Die Ursprünge sind im Jahr 1968 zu finden, als Amar Bose den Lautsprecher 901 directing/reflecting erfand. Mit der Erkenntnis, dass im Konzertsaal 80% der Schallwellen indirekt über Wände und Decke zum Konzerthörer gelangen, strahlten die 901 80% des Schalls auch im Wohnraum indirekt (gegen hinten) ab. Sein Prinzip hinkt bis heute. Die Aufnahmemikrofone erfassen im Konzertsaal auch den indirekten Schall. Der direkte Schall enthält bei der Wiedergabe somit auch die Rauminformationen des Konzertsaals. Das erübrigt eine indirekte Abstrahlung, zumindest in dem von Bose vorgegebenen Mass. Aber sie klangen anders. Das starke Diffusfeld bewirkt eine intensivere … Read More »