Trend ‚Vintage Hifi‘


Posted on September 16th, by Christian Wenger in Analog, Lautsprecher & Verstärker, Musikhören. 1 Comment

Trend ‚Vintage Hifi‘

Was lange Zeit nur Sammler interessierte wird langsam zu einem Trend. Was begeistert viele Musikhörer an alten Hifi-Geräten aus den 1960er und 1970er Jahren?

Ich staunte nicht schlecht, als mir ein guter Freund einen Lautsprecher empfahl. Der Little Gold Monitor von Tannoy war mir aus schon fast grauer Vorzeit noch geläufig, als ich mit 19 Jahren in einem kleinen Tonstudio unsere Musik im Regieraum daraus zu hören bekam. Meine Erinnerung daran verblasste mit der Zeit. Nun sass ich erneut vor diesem Relikt der 1970/80 er Jahre und war begeistert von seiner Präsenz, Räumlichkeit, Dynamik und diesem seltenen Gefühl ‚dabei zu sein‘.

Das für die damalige Zeit typische Nussbaum-Gehäuse mit der markanten Stoffabdeckung ist für die heutige Zeit wenig ansprechend, wie die Dimensionen, nämlich wesentlich breiter als tief.lgm Zudem diese Kontaktschrauben für die Hochton-Anpassung und beim Blick ins Innere, eine Verkabelung, die der eines Autowracks gleicht (nur nichts anfassen). Das koaxiale Prinzip scheint mir auch nach heutigen Massstäben nahezu perfekt. Der Tieftontreiber hat einen beeindruckenden Durchmesser von 12′ (305mm) und der im Zentrum koaxial angeordnete Hochtontreiber lässt sich technisch nicht wirklich einordnen. Diese Treiber waren legendär und man findet unter den aktuellen Modellen meiner Meinung nach keine Äquivalenz mehr.

Der Klang besticht in gewisser Weise durch seine paradox anmutende Imperfektion. – nichts ist wirklich perfekt aber es scheint in eigentümlicher Weise alles zu passen, zu stimmen. Die Preise, die man für diesen Lautsprecher heute gebraucht bezahlt, sind bei gutem Erhaltungszustand beträchtlich. Ich erstand ein Paar in England, wo man sie einst liebevoll ‚Tannys‘ nannte. – ein generischer Begriff für die Briten, gerade wie wenn sie ‚Hoover‘ sagen und Staubsauger meinen.

Wer noch (oder wieder) ein grosses Bücherregal besitzt, der sollte ihn als Regallautsprecher testen, aber bitte mit genügend Büchern und Zeitschriften drum herum. – Aus akustischen Gründen. Man braucht sie ja nicht zu lesen.

Szenenwechsel:
So mancher Musikhörer schwärmt heute noch von den alten Quad-Elektrostaten. Die alten Stücke werden revidiert wieder angeboten und bringen so machen Violinen-Afficionado in Entzückung und bei Kaufinteresse in einen Argumentations-Notstand, der auch noch anhält, wenn das scheinbar überzeugende Argument des 1960er Jahre-Retrotrends bei Möbeln wirkungslos verhallt ist.quad Daneben diese unglaublich schön klingenden Top-Verstärker von Sansui und Sony aus den 60er Jahren oder Marantz-Vorverstärker, die noch mit Germanium-Transistoren arbeiten und eine MM-Phonstufe enthalten, die heute noch die ungläubige Blässe in die Wangen treibt.m7t Auch an Hifi-Messen findet man immer öfter Vintage-Anlagen aus der Zeit des Stereo-Urknalls. Sie werden bestaunt und in den Gesichtern steht die Ungläubigkeit festgeschrieben, als könnte der Wortsinn davon nicht treffender veranschaulicht werden. Die Fachzeitschriften, allen voran Hifi News aus England, führen nun wieder Rubriken wie ‚Vintage Hifi‘ oder ‚Audio Milestones‘ und publizieren sogar Geräte-Rezensionen mit diesen ehrwürdigen Teilen, munter im Vergleich mit dem Neusten, was der Markt zu bieten hat.

Man scheint damals einfach vieles richtig gemacht zu haben und heute besinnt sich gar mancher Hersteller wieder auf die alten Tugenden. Dergestalt findet sich in manchem Ambiente wieder ein mächtiger Hornlautsprecher oder sogar eine offene Schallwand mit Breitband-Treiber und das ist dann ein Ort, wo die Frau ihren Mann wirklich liebt, ausser er sei Junggeselle.

Vintage Hifi kann das Gute aus heutiger Zeit nicht ersetzen. Das Angebot an aussergewöhnlichen Geräten aus alter Zeit ist begrenzt und der Unterhalt erfordert Geduld und manchmal auch temporären Verzicht, wenn dann eine Reparatur fällig sein sollte.  Vintage Hifi zeigt uns aber auf, dass Fortschritt ein ungemein relativer Begriff ist. – Gerade wie bei Amati, Guarneri und Stradivari, den besten Geigen aller Zeiten.





Ein Gedanke zu “Trend ‚Vintage Hifi‘

  1. Guten Tag

    Kaufen sie auch alte funktionstüchtige Verstärker?
    Ich besitze ein MItsubischi Verstärkerset welches aus folgenden Teilen besteht: Vorverstärker DA-P20
    Endstufe, DA-A15DC und Power Level Meter DA-M10.
    Ich habe leider keine Verwendung mehr dafür und möchte es daher verkaufen.
    Falls Interesse vorhanden können sie sich ja gerne melden.

    Mfg Michael Blumenthal

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