Die musikalischen Reibräder


Posted on Oktober 31st, by Christian Wenger in Analog, Musikhören. 2 comments

Die musikalischen Reibräder

Tragen die ein Geheimnis in sich? Warum die alten Plattenspieler von Garrard, Lenco und Thorens immer noch verehrt werden.

Da hat sich ein Fan-Kult entwickelt. Thorens TD124, Garrard 301 und Lenco L75 sowie weniger bekannte „idler wheels“ führen eine verborgene Hitparade an. Die Geräte wurden zwischen den späten 1950er Jahren bis in die 1970er Jahre gebaut. Heute werden sie aufwändig restauriert, umgebaut und ehrfürchtig betrieben. Es gibt zahllose Foren, Clubs und Fecebook-Gruppen. Die Analog-Fans tun gut daran, darüber Bescheid zu wissen, wollen sie unter sich ernst genommen werden.

Das Überleben dieser Geräte führte auch zur Renaissance alter Tonabnehmer-Systeme, allen voran Denon DL103 oder Ortofon SPU. Da sie nach einigen Jahren ausgetauscht werden müssen, werden sie immer noch praktisch unverändert hergestellt, wie damals in den 1950er und 1960er Jahren. Ähnliches gilt für alte Tonarme und passende MC-Spannungsverstärker mittels Step-Up-Trafos.

Als alles begann..
..steckte HiFi noch in den Kinderschuhen, war noch kaum geboren. Thorens und Garrard wurden eigentlich für den professionellen Einsatz entwickelt. Der anspruchsvolle Musikhörer wurde nur in zweiter Linie angepeilt. Privat finanzierte Radiosender und Hersteller von Schallplatten suchten erschwingliche Geräte für den harten Einsatz. Sie konnten sich die professionellen und teuren Decks von EMT etc. nicht leisten. In den 1960er Jahren stieg die Popularität von HiFi und das bescherte den Herstellern grosse Stückzahlen. Die eigentliche Qualität dieser Oldtimer wurde erst Jahrzenhnte später „entdeckt“. Viele von ihnen wurden durch weniger gute aber neue Geräte ersetzt.

Musikalität
Wenn man eines dieser alten Laufwerke heute verwendet, offenbart sich eine Musikalität, die selbst mit sehr teuren Laufwerken der Gegenwart weder einfach noch selbstverständlich erreicht wird. Genau das hat die Fangemeinde erkannt und genau das wird nun zelebriert. Zugeschrieben wir das in erster Linie den Reibrad-Antrieben dieser Antiquitäten. – Eine damals verbreitete Antriebsart von schweren Plattentellern mit relativ direkter Traktion. Die stabile Umdrehungszahl überliess man den verwendeten AC-Motoren mit 60Hz oder 50Hz und ihren Untersetzungen. Die Feinabstimmung erfolgte mechanisch u.a. mit Magnetbremsen. Elektronik kam nicht zum Einsatz, abgesehen von Funkentstörung und einem Vorwiderstand für das Stroboskop-Lämpchen.

garrard301idler  Garrard 301

L75 Lenco L75

THORENS TD124 MKII idler Thorens TD124/II

Die Zukunft der Vergangenheit
Dann setzte sich der träge Riemenantrieb durch, vor allem aus Kostengründen. Im Gegensatz zu den zittrigen, quarzgeregelten Direktantrieben mit leichten Plattentellern von Technics etc., wurde er über die Jahre verbessert. Idler wheels werden auch wieder gebaut z.B. von Reed. Alte Antriebe von Garrard oder Lenco werden auch bei neuen Laufwerken zum Teil wieder verwendet. Diese glorreichen Plattenspieler aus längst vergangener Zeit passen aber auch heute wieder gut ins Ambiente der Moderne, weil sich das auch immer wieder an frühere Zeiten anlehnt.

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2 Gedanken zu “Die musikalischen Reibräder

  1. Mir ist schon klar, das „hifiblog“ in der Schweiz sitzt, ich wollte lediglich anmerken, dass es DUAL war, die im deutschsprachigen Raum die meisten Plattenspieler mit Reibradantrieb verkauft haben und über Jahrzehnte hinaus eine treue Kundschaft hatten.

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